Durchbohrschutz an Elektroinstallationen

Verschiedentlich werden Elektromontagen angetroffen, die aus sicherheitstechnischer Sicht mangelhaft sind. Konkret handelte es sich dabei immer um die Kleinverteilerk√§sten (Stromkreisverteiler) und die dazugeh√∂rigen Anschlussleitungen in d√ľnnen W√§nden.

Beim kosten- und raumsparenden Bauen werden in zunehmendem Ma√üe schlanke Trennw√§nde verwendet, in welche h√§ufig Elektroinstallationen integriert werden m√ľssen. Oft haben diese schlanken W√§nde aber nur Dicken von ca. 12 cm und weniger. Unterputz-Stromkreisverteilerk√§sten beispielsweise haben jedoch Bautiefen von ca. 7 bis 8 cm. Die verbleibende Wanddicke an den R√ľckseiten solcher K√§sten betr√§gt dann nur wenige Zentimeter.

Bei nachtr√§glichen Ausbauten dem Aufh√§ngen von Bildern oder auch Dekorationen (durch Facharbeiter oder durch Laien) an den R√ľckseiten der W√§nde besteht die Gefahr des unbeabsichtigten Durchbohrens der Kastenw√§nde und somit Unfallgefahr.
Auch ist nicht auszuschließen, dass dicht unter der Wandoberfläche verlaufende Hauptleitungen, die der Stromversorgung der Kästen dienen, mit Bohrern oder Nägeln erreicht werden können (da sie nicht ausweichen können).

Auf den jeweiligen Installationsseiten dieser K√§sten sind Verlauf und Anordnung von Leitungen und Kabeln auch f√ľr einen Laien leicht erkennbar. An den Wandr√ľckseiten jedoch ist dies nicht der Fall. Hinzu kommt, dass sich die nur wenige Zentimeter unter der Wandoberfl√§che befindlichen Kabel au√üerhalb der vorgeschriebenen Installationszonen befinden.
Aus gestalterischen Gr√ľnden werden diese Elektroinstallationen immer wieder innerhalb dieser W√§nde ‚Äď also ‚Äěunter Putz‚Äú - angeordnet. Aus technischer und aus sicherheitsrelevanter Sicht stellt dies jedoch einen Planungs- und Ausf√ľhrungsfehler dar, wenn keine besonderen Schutzma√ünahmen ergriffen werden. F√§llt dieser Mangel bei Kontrollen nicht auf, dann handelt es sich zus√§tzlich noch um einen √úberwachungsfehler.

Beim Vorhandensein solch schlanker W√§nde m√ľssten diese Installationen ‚Äěauf Putz‚Äú oder an den Au√üenw√§nden spezieller Sch√§chte ‚Äď die von hinten nicht angebohrt werden k√∂nnen ‚Äď eingebaut werden.

Konkrete Bestimmungen, dass diese Installationen, wenn sie sich in den schlanken W√§nden befinden, gesch√ľtzt werden m√ľssen, g√§be es nicht. Auf diesem Standpunkt wird sich h√§ufig zur√ľckgezogen, wenn wir diesen Mangel r√ľgen. Dies ist unzutreffend.

Fest steht, dass es eine Reihe von technischen Forderungen gibt, aus denen sich herleiten lässt, dass es sich im vorliegenden Fall um einen Mangel handelt, wenn keine besonderen Maßnahmen zum Schutz vor Unfällen ergriffen werden.

Bekannt ist eine Festlegung f√ľr Sanit√§rbereiche, nach der Installationen durch mind. 6 cm Massivbaustoff gesch√ľtzt sein m√ľssen. Das Ma√ü ‚Äě6 cm‚Äú ist die √ľbliche L√§nge eines Bohrers im Ausbau- und Heimwerkerbereich.

Weiter gibt es eine Vorgabe, nach der Schaltschr√§nke in Wandnischen ebenfalls mit Massivbaustoff hinter und an den Seiten umh√ľllt sein m√ľssen und letztlich sind in der DIN 18015-3 Elektroinstallationszonen festgelegt. Von den R√ľckseiten der W√§nde her betrachtet befinden sich die Installationen im vorliegenden Fall immer au√üerhalb der Elektroinstallationszonen.

Klar definiert wird zu dieser Problematik in dieser DIN unter Punkt 5 Ausnahmen:

‚ÄěVon den festgelegten Installationszonen darf nur in Fertigbauteilen abgewichen werden. Dies gilt nur unter der Voraussetzung, dass eine √úberdeckung der Leitungen von mind. 6 cm sichergestellt ist oder die Leitungen in ausreichend gro√üen Hohlr√§umen so verlegt sind, dass sie ggf. ausweichen k√∂nnen.‚Äú

Um Elektrounf√§lle beim Anbohren von Unterputz-Installationen in schlanken W√§nden zu vermeiden, m√ľssen die R√ľckseiten, sowie ggf. auch die Kabeleinm√ľndungen und Kabelf√ľhrungen solcher K√§sten wirkungsvoll gesch√ľtzt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass stromf√ľhrende Kabel au√üerhalb abgesicherter Bereiche unbeabsichtigt getroffen werden.

Der Schutz kann in der Weise geschehen, in dem die Wandungen der K√§sten aus geeigneten Verbundwerkstoffen (z. B. mit Stahleinlage) bestehen oder entsprechende Komplettierungsteile an den Kastenr√ľckseiten aufgesetzt werden und in dem in √§hnlicherweise die starren Hauptkabel gesch√ľtzt werden.
Bedauerlicherweise gibt es auf dem Markt keine industriell vorgefertigten Komplettierungsteile oder Kästen mit geeigneten Schutzeigenschaften gegen unbeabsichtigtes Durchbohren oder Durchnageln.

Der f√ľr den Durchbohrschutz der Unterputzelektroinstallation verwendete Werkstoff muss ausreichend z√§h sein, um nicht mit Leichtigkeit durch√∂rtert werden zu k√∂nnen. Es muss ein nennenswerter Widerstand gegeben sein. Dieser Widerstand ist erst gegeben, wenn die Dicke einer eingelegten Metallplatte ca. 5 bis 6 mm betr√§gt.

Diese Dicke ist erforderlich, weil das Anbohren in Leichtbauwänden erfahrungsgemäß mit Metall- und nicht mit Steinbohrern vorgenommen wird.

Die zuerst durch√∂rterten Putz- bzw. Gipskartonschichten geben dann dem Bohrer eine gute F√ľhrung, so dass d√ľnnere Metallplatten schnell durchbohrt w√ľrden. Alternativ w√§re es auch m√∂glich, unmittelbar auf der Wandoberfl√§che eine d√ľnne Metallplatte (1 mm V2A) aufzukleben, anzuspachteln und √ľberzutapezieren. Bohrversuche scheitern dann, weil der Bohrer aufgrund einer fehlenden F√ľhrung nicht ‚Äěgreifen‚Äú kann, sondern abrutscht.

Aufgrund dieses sicherheitsrelevanten Mangels sollen sich bereits mehrere Elektrounf√§lle ereignet haben. Um das Unfallrisiko zu reduzieren bitten wir Sie, in Ihren Leistungsbeschreibungen einen entsprechenden Passus aufzunehmen, der es den Architekten, den Elektroplanern und den Ausf√ľhrenden bereits im Vorfeld erm√∂glicht, diesen Mangel auszuschlie√üen.

Dieser Passus könnte folgenden Wortlaut haben:

‚ÄěDie Kleinverteiler / Stromkreisverteiler und deren Zuleitungen in Wohn- / Mietbereichen m√ľssen, wenn sie in schlanken W√§nden eingebaut werden (Dicke < 14 cm) so beschaffen sein, dass ein unbeabsichtigtes Durchbohren von hinten ausgeschlossen ist. Entweder d√ľrfen die R√ľckseiten nicht erreichbar sein (Einbau in Sch√§chten oder in ausreichend dicken W√§nden) oder es m√ľssen Metalleinlagen (6 mm Stahlblech) oder Metallauflagen (1 mm V2A - √§hnlich Magnetwand) zus√§tzlich eingebaut werden.‚Äú

Nur wenn diese Frage im Vorfeld hinreichend klar gestellt wird, kann der beschriebene Mangel mit den geringsten Kosten vermieden werden. Architekten und Planer werden angehalten, sich zu dieser Frage ‚Äěmehr Gedanken‚Äú zu machen und die Industrie wird m√∂glicherweise dazu gebracht, neue Produkte zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.

Stand:
09/10


Update Oktober 2016:

im September ist die Norm DIN 18015 Teil 3 neu erschienen. Wichtigste √Ąnderung bzw. Neuanforderung ist , dass beim Einsetzen gr√∂√üerer Betriebsmitttel, wie z. B. Stromkreisverteiler, eine Restwanddicke von mindestens 6cm einzuhalten ist.


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