Pflasterung von Tiefgaragenböden (wieder) möglich

In der Sonderbauordnung (SBauVO) NRW heißt es unter § 126 „WĂ€nde, Pfeiler, StĂŒtzen und Decken von Garagen“, dort unter Absatz 6: „Fußböden mĂŒssen undurchlĂ€ssig gegen FlĂŒssigkeiten sein. Sie mĂŒssen ĂŒber BodeneinlĂ€ufe verfĂŒgen.“

Daraus wurde lange Zeit geschlossen, dass dieses Schutzziel mit Pflaster nicht herzustellen sei.

Die genannte Anforderung gemĂ€ĂŸ Abs. 6 dient dem Schutz gegen das Eindringen wasser- und betongefĂ€hrdender FlĂŒssigkeiten (z. B. Treib- und Schmierstoffe) in den Boden bzw. in die Unterkonstruktion und ggf. in das Grundwasser. Die in der Verordnung geforderten BodenablĂ€ufe dienen jedoch in erster Linie dazu, Regenwasser, ggf. auch auslaufende KĂŒhlerflĂŒssigkeiten, tauende Schnee- oder Eisreste unter den Wagenböden, die zu Lachenbildungen fĂŒhren könnten, abzufĂŒhren, um somit Rutschgefahren fĂŒr Personen und Fahrzeuge zu vermeiden.

Eine Anfrage der FIB am 6. Juli 2016 beim Ministerium fĂŒr Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Abteilung VI – Bauen – Referat VI.1 in DĂŒsseldorf zur Beschaffenheit von Tiefgaragenböden fĂŒhrte zu folgender Antwort (Zitat):

„Aus meiner Sicht besteht hierfĂŒr kein Regelungsbedarf mehr, da dieses Schutzziel durch die allgemein anerkannten Regeln der Technik fĂŒr Stahlbeton geregelt ist (Normen DIN EN 206:2014-07 Beton - Festlegung, Eigenschaften, Herstellung und KonformitĂ€t und DIN EN 1992:2011 Bemessung und Konstruktion von Stahlbeton- und Spannbetontragwerken).

Das zweite Ziel der Vorschrift, die Vermeidung einer Rutschgefahr fĂŒr Personen und Fahrzeuge durch BodeneinlĂ€ufe, kann auch auf andere Weise wie z. B. durch Verdunstungsrinnen erreicht werden.

In Bezug auf den Boden einer Tiefgarage aus Pflastersteinen kann ich Ihnen mitteilen, dass an die Fußbodenbeschaffenheit von EinstellplĂ€tzen in Garagen keine höheren Anforderungen gestellt werden sollen als an StellplĂ€tze im Freien. Das heißt, dass z. B. ein Pflaster aus Vollverbundsteinen, das fachgerecht mit Sand verfugt und mechanisch verdichtet (abgerĂŒttelt) ist, als undurchlĂ€ssig betrachtet werden kann. Diesseits bestehen keine Bedenken, wenn die zustĂ€ndige Bauaufsichtsbehörde § 126 Abs. 6 S. 1 SBauVO in dieser Weise auslegt.“


Daraus ergibt sich, dass in Tiefgaragen nur Decken (Parkebenen) fĂŒr FlĂŒssigkeiten undurchlĂ€ssig sein mĂŒssen. Die untere Ebene kann wie ein normaler Parkplatz im Außenbereich gepflastert werden. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass an angrenzenden Stahlbetonbauteilen der notwendige Chloridschutz sicherzustellen ist.

Ferner wird aus schalltechnischer Sicht empfohlen, die PflasterflÀchen nicht mit gefasten Steinen herzustellen. Die folgenden Vergleiche dienen der ErlÀuterung dieser Empfehlung:

bei Geschwindigkeiten ≥ 50 km/h

Asphalt: ± 0 dB (A) nicht geriffelt
nicht gefastes Pflaster: + 3 dB (A)
gefastes Pflaster + 6 dB (A)

bei Geschwindigkeiten < 50 km/h

Asphalt ± 0 dB (A)
Asphalt geriffelt + 1 dB (A)
nicht gefastes Pflaster + 2 dB (A)
gefastes Pflaster + 3 dB (A)

(Quelle zu den letzten Angaben: RLS 90)

Stand:
12/16

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