-NEU- Erdung von KellertrennwÀnden aus Metall

Eine neue Forderung fĂŒhrt zu Irritationen bei den am Bau Beteiligten, sie lautet: „Metallische TrennwĂ€nde im Keller sind mit dem Schutzerder zu verbinden.“

Bei dieser Forderung wird sich auf die Norm DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10, Errichten von Niederspannungsanlagen - Teil 4-41: Schutzmaßnahmen - Schutz gegen elektrischen Schlag, berufen, wo es heißen soll, „
 dass im Baukörper leitfĂ€hige Rohr- und Kanalsysteme (sowie gleichzusetzende großflĂ€chige metallische Konstruktionen, die unmittelbar im berĂŒhrbaren Bereich installiert sind), mit einem Schutzpotentialausgleich zu verbinden sind.“

Im Kontext dazu werden folgende Szenarien konstruiert:

„Das einfache Risiko ist bereits gegeben, sofern der Mieter oder EigentĂŒmer einer Wohnung, ein nicht sicheres Betriebsmittel ĂŒber die Steckdose versorgt. Das einfache Risiko besteht darin, dass der Bewohner / EigentĂŒmer ein schadhaftes oder nicht sicheres Betriebsmittel anschließt, bspw. einen KĂŒhlschrank oder GefriergerĂ€t. Dieses kann durch Platzierung mit metallischen OberflĂ€chen in BerĂŒhrung kommen und so Fremdspannung einleiten. Auch durch eine schadhafte Leitung mit Eurostecker verbunden, kann dazu fĂŒhren, dass durch Einklemmen in der TĂŒr hier Spannung in diese Konstruktion geleitet wird.

Somit besteht die Gefahr, dass die Gesamtkonstruktion unter Spannung gesetzt wird. Hinzu kommt, dass die metallischen Konstruktionen mit elektrischen Betriebsmitteln verschiedener Versorgungslinien belegt sind. Die fehlende Absicherung des einfachen Risikos ist als grob fahrlÀssig einzustufen.

Eine Fehlerstromschutzeinrichtung kann nicht auslösen, sofern keine Stromableitung aus den metallischen Elementen erfolgt. Dieses jedoch erfolgt nur, sicher wenn die metallischen Konstruktionen an einen Schutzpotentialausgleich angeschlossen sind.“


Was hat es nun damit auf sich? Welche Risiken bestehen wirklich? Wie ist mit dieser Forderung umzugehen?

Sachverhalt

Voranzustellen ist, dass zunĂ€chst grundsĂ€tzlich zwischen GebĂ€uden mit und GebĂ€uden ohne Ă€ußere Blitzschutzanlage zu unterscheiden ist.

Die folgenden AusfĂŒhrungen gelten nur fĂŒr GebĂ€ude ohne Ă€ußere Blitzschutzanlage. Bei GebĂ€uden mit Ă€ußerer Blitzschutzanlage sind andere Normen zu beachten. Da mĂŒssen solche metallenen Konstruktionen an den Potentialausgleich angeschlossen werden.

Die Norm DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10, Errichten von Niederspannungsanlagen - Teil 4-41: Schutzmaßnahmen - Schutz gegen elektrischen Schlag, beschreibt:

Abs. 411.3.1.2 Schutzpotentialausgleich
In jedem GebĂ€ude mĂŒssen die eingefĂŒhrten Metallteile, die geeignet sind, eine gefĂ€hrliche Potentialdifferenz zu verursachen, und die nicht Bestandteil der Elektroinstallation sind, mit der Haupterdungsschiene durch Schutzpotentialausgleichsleiter verbunden werden. Beispiele fĂŒr solche Metallteile sind:

- Rohrleitungen von Versorgungssystemen, die in GebĂ€ude eingefĂŒhrt sind, z. B. Gas-, Wasser-, FernwĂ€rme-Systeme;
- fremde leitfÀhige Teile der GebÀudestruktur;
- berĂŒhrbare Bewehrungen von GebĂ€udekonstruktionen aus Beton.

Wo solche leitfĂ€higen Teile ihren Ausgangspunkt außerhalb des GebĂ€udes haben, mĂŒssen sie so nahe wie möglich an ihrer Eintrittsstelle innerhalb des GebĂ€udes miteinander verbunden werden.

ANMERKUNG Nach DVGW G 459-1:1998-07 darf das IsolierstĂŒck der Gas-Hausanschlussleitung nicht ĂŒberbrĂŒckt werden. Der Anschluss des Schutzpotentialausgleichsleiters hat in Fließrichtung erst hinter dem IsolierstĂŒck zu erfolgen.

Metallrohre, die in das GebĂ€ude eindringen, und einen isolierenden Abschnitt an ihrem Anfang haben, mĂŒssen nicht mit dem Schutzpotentialausgleich verbunden werden.

ANMERKUNG Abschnitt 542.4.1 aus DIN VDE 0100-540 (VDE 0100-540):2012-06 fĂŒhrt weitere erforderliche Verbindungen zur Haupterdungsschiene auf.


In diesem Normenauszug geht es um metallene Teile, die von außen in ein GebĂ€ude eingefĂŒhrt werden und die daher ein sgn. Erdpotential einfĂŒhren. Diese mĂŒssen an den Potentialausgleich ĂŒber die Haupterdungsschiene angeschlossen werden, sie mĂŒssen (umgangssprachlich) geerdet werden.

Im Gegensatz dazu werden die metallenen TrennwĂ€nde jedoch nicht von außen in ein GebĂ€ude eingefĂŒhrt, sie fĂŒhren kein Erdpotential in ein GebĂ€ude ein, und sie sind auch keine leitfĂ€higen Teile der GebĂ€udestruktur. Demzufolge ist fĂŒr die MetalltrennwĂ€nde kein Potentialausgleich ĂŒber die Haupterdungsschiene bzw. eine Erdung erforderlich. WĂŒrde man der anfangs zitierten Forderung „Metallische TrennwĂ€nde im Keller sind mit dem Schutzerder zu verbinden.“ folgen, dann mĂŒsste auch jedes im Keller aufgestellte metallene Regal oder jeder WĂ€schestĂ€nder „geerdet“ werden.

Der Bezug der o. g. Forderung auf die v. g. Norm und darauf,

„...dass im Baukörper leitfĂ€hige Rohr- und Kanalsysteme (sowie gleichzusetzende großflĂ€chige metallische Konstruktionen, die unmittelbar im berĂŒhrbaren Bereich installiert sind), mit einem Schutzpotentialausgleich zu verbinden sind.“

ist somit falsch!

Die TrennwĂ€nde können im Normalfall kein Potential, z. B. ĂŒber ein defektes GerĂ€t, wie einen KĂŒhlschrank, annehmen. Der oben im Szenario genannte KĂŒhlschrank ist ĂŒber den Anschlussstecker geerdet und im Fehlerfall löst die Sicherung oder der Fehlerstrom-Schutzschalter aus.

Wenn eine Leitung, egal ob diese nun einen Schutzleiter hat oder nicht, eingequetscht wird, dann kann es tatsĂ€chlich dazu kommen, dass eine gefĂ€hrliche Spannung auf die metallenen TrennwĂ€nde ĂŒbertragen wird. Aber solche FĂ€lle nicht bestimmungsgemĂ€ĂŸer Nutzung werden normativ nicht betrachtet. Hier ist die Eigenverantwortung der Nutzer gefragt. Das Gleiche gilt z.B. auch bei einer Leitung, die unter einer metallenen KellertĂŒr hindurchgefĂŒhrt und dort eingequetscht wird. Daher werden auch solche TĂŒren nicht geerdet.

Wegen der elektrischen Installationen (Schalter, Steckdosen, u. a.) auf den MetalltrennwĂ€nden ist keine Erdung erforderlich, weil die meisten dieser Betriebsmittel mit ihren KunststoffgehĂ€usen schutzisoliert sind. Von diesen Betriebsmitteln kann bei fachgerechter Montage keine Spannung auf die TrennwĂ€nde ĂŒbertragen werden. Und wenn ein nicht schutzisoliertes GerĂ€t, z. B. eine metallene Leuchte auf die TrennwĂ€nde montiert wird, dann muss die metallene Leuchte geerdet werden und damit ist dann zwangslĂ€ufig ĂŒber die Befestigungsschrauben auch die Trennwand geerdet.

Fazit

Die o. g. Forderung ist eine subjektive Meinung und wurde normativ unzutreffend belegt.

Eine mit geringem Aufwand hergestellte „Erdung" der metallenen TrennwĂ€nde oder anderer metallener Teile (Rohre, o. Ä.) ist prinzipiell nicht falsch. Es kann schön sein, wenn sie da ist, aber sie ist normativ nicht gefordert, wenn die metallenen Teile nicht von außen in ein GebĂ€ude eingefĂŒhrt werden und wenn das GebĂ€ude keine Ă€ußere Blitzschutzanlage hat.

Da es zu diesem Thema verschiedentlich unterschiedliche Ansichten unter den Fachleuten gibt, sollte sich im Falle einer Diskussion auf die normative Forderung geeinigt werden.

Stand:
11/20