OberflÀchenschutzsysteme auf Parkdecks

WĂŒrde man eine Empfehlung fĂŒr ein OberflĂ€chenschutzsystem fĂŒr Parkdecks nach der derzeit gĂŒltigen Instandsetzungsrichtlinie aussprechen, so wĂ€ren dies mindestens ein OS 13, besser ein OS 11. Leider haben sich diese Beschichtungssyteme in der Praxis hĂ€ufig nicht bewĂ€hrt. Der zu beobachtende Schadensprozess ist dabei stets gleich.

Bei einem OS 11 bilden sich zunĂ€chst Krakeleerisse in der dĂŒnnen und harten Kopfversiegelung. Danach wird das Abstreugranulat aus der weichen Beschichtungsmatrix durch die Traktion der PKW-Reifen herausgedreht, was zunĂ€chst kleine Löcher hinterlĂ€sst, durch die Feuchtigkeit und Auftausalze eindringen können. Nach diesem Beginn der Ablösung schreitet die weitere mechanische Zerstörung schnell fort.

Durch diese Erfahrungen gewarnt, bemĂŒhte man sich mit der Klasse OS 13 eine etwas festere Lösung zu entwickeln. Im Laufe der Diskussion wurde durch eine wieder vorgetragene Forderung nach grĂ¶ĂŸerer RissĂŒberbrĂŒckungsfĂ€higkeit diese Klasse so nah an das vorherige Bild der OS 11 herangefĂŒhrt, dass hiervon keine wesentlich bessere Überlebensprognose zu erwarten war.

Eine Untersuchung der SchĂ€den an Ă€lteren, beschichteten ParkhĂ€usern bestĂ€tigte die in der Praxis beobachtete und auf dem Befahrbarkeitsstand nachgestellte SchĂ€digung der OS11-Beschichtungen und zeigte auch, dass zu dĂŒnn aufgetragene Beschichtungen nach der alten Klasse OS 8 ebenfalls nicht in der Lage waren, den Beton vor Salzangriffen und Treibstoffkontamination zu schĂŒtzen.
In BestandsparkhĂ€usern wurden ĂŒberwiegend Risse mit einer Rissweite von > 0,4 mm gefunden. Die alten OS 11 Beschichtungen stellten aber nur eine RissĂŒberbrĂŒckungsmöglichkeit bis 0,2 mm sicher. Dies macht deutlich, dass weder ein altes noch ein neues System in der Lage ist, konstruktiv bedingte Risse zu ĂŒberbrĂŒcken, was sich in den vergangenen Jahrzehnten auch nicht als notwendig erwiesen hat. Winzige Risse, die durch den Abbindeprozess des Betons entstehen, sind in ihrer Entwicklung zeitlich vor der jeweiligen Beschichtung abgeschlossen und werden durch die Grundierung und Kratzspachtelung in aller Regel hinreichend verschlossen.

SpĂ€ter auftretende Risse, die z. B. von festen Einbauten wie TreppenhĂ€usern und AufzĂŒgen sowie von Eckpunkten von DurchbrĂŒchen fĂŒr Rampen etc. ausgehen, sind meist nicht oder nur durch sinnvollere Konstruktionen zu verhindern und mĂŒssen durch Injektionen verschlossen werden. Fazit: OS 11 oder OS 13 bedeuten viel Aufwand, hohe Kosten, wenig Nutzen, kurze Lebensdauer.

Es ist derzeit geplant, die alte OS8-Beschichtung in einer ausreichenden Schichtdicke in der Neuauflage der Instandsetzungsrichtlinie wieder einzufĂŒhren. Nach unserer Erfahrung und Überzeugung sollte hierbei mit den ArbeitsgĂ€ngen Grundierung, Kratzspachtelung, rutschsichere Nutzschicht und Kopfversiegelung eine Schichtdicke von mindestens 3 mm eingehalten und zusĂ€tzlich verlangt werden, dass die Schichtdicke an keiner Stelle eine GrĂ¶ĂŸe von 2,5 mm unterschreiten darf. Bei dieser Vorgehensweise wird die FlĂ€che langfristig gegen SchadstoffeinflĂŒsse abgedichtet, die OberflĂ€che gegen Verschleiß geschĂŒtzt, mit höherer Rutschfestigkeit versehen und farbig gestaltet. Erfahrungen mit diesen Systemen liegen seit mehr als 35 Jahren vor.

Alle namhaften Hersteller sind in der Lage, ein solches System anzubieten.

Folgende Maßnahmen sind fĂŒr eine erfolgreiche Bearbeitung der OberflĂ€chen notwendig:
▪alle Risse mit einer Rissweite von >= 0,20 mm mit Epoxidharz kraftschlĂŒssig verpressen
▪Planen und Ausschreiben eines OberflĂ€chenschutzsystems analog des alten OS 8 mit ausreichenden Schichtdicken durch einen fachkundigen Planer
▪AbfrĂ€sen der ÜberstĂ€nde und Ablagerungen, sowie Korrektur der Einbauteile
▪kurz vor Beginn der Arbeiten fĂŒr das OS 8 noch einmal alle bis dahin gegebenenfalls neu aufgetretenen Risse mit einer Rissweite von >= 0,20 mm mit Epoxidharz kraftschlĂŒssig verpressen
▪Aufbringen des OS 8 nach den Herstellervorschriften (wichtig: Nur Produkte aus einem zugelassenen System verwenden, keine Hersteller mischen)
▪Abnahme der Leistungen durch einen fachkundigen Planer / SachverstĂ€ndigen
▪RegelmĂ€ĂŸige Wartung (mindestens einmal jĂ€hrlich im SpĂ€tsommer/Herbst) der OberflĂ€che. (Sinnvoll: Wartung mit in die Ausschreibung aufnehmen).

Stand: 03/09