Regelbarkeit von Fußbodenheizungen in Dielen

Bei Neubauten stellt sich häufig die Frage, ob Dielen oder kleine Flure mit regulierbaren Warmwasserfußbodenheizungen ausgestattet werden müssen.

Die Verteilung der Heizenergie erfolgt oft wohnungszentral aus einem zentralen Übergabepunkt (Heizkreisverteiler). Dieser kann in Wandschränken in der Diele untergebracht sein. Von dort aus verlaufen die Anschlussleitungen zu den einzelnen Heizkreisen durch die Diele.

Es wird verschiedentlich bemängelt, dass die Dielen nicht über einen eigenen Regelkreis verfügen und dass dies eine Abweichung von der aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV) sei.

Die EnEV macht im § 14, Absatz 2 folgende Vorgaben:

„Heizungstechnische Anlagen mit Wasser als Wärmeträger müssen beim Einbau in Gebäuden mit selbsttätig wirkenden Einrichtungen zur raumweisen Regelung der Raumtemperatur ausgestattet werden; von dieser Pflicht ausgenommen sind Fußbodenheizungen in Räumen mit weniger als 6 m² Nutzfläche.“

Aus dieser Forderung ergibt sich, dass Räume mit Flächen über 6 m², welche mit einer Fußbodenheizung ausgestattet sind, einen separaten Regelkreis erhalten müssen. Dieser Passus bedingt nicht zwingend, dass alle Räume über 6 m² mit einer Fußbodenheizung ausgestattet bzw. beheizt werden müssen.

Für die Festlegung, ob ein Raum beheizt werden muss und für die Auslegung der Fußbodenheizung, ist in erster Linie die berechnete Heizlast dieses Raums ausschlaggebend. Die Heizlast eines Raums bzw. eines Gebäudes wird nach der Norm DIN EN 12831 berechnet. Auf Grundlage des Ergebnisses werden die entsprechenden Heizflächen oder Heizkörper ausgelegt.

Bei der Berechnung der Normheizlast wird ausschließlich das Gebäude im statischen Zustand bei einer Normaußentemperatur (z. B. -10 °C) betrachtet. Bei der raumweisen Betrachtung werden interne Wärmegewinne bzw. Wärmeverluste von einem Raum in den anderen herangezogen und in die Berechnung mit aufgenommen. Nicht berücksichtigt werden zusätzliche thermische Lasten, die aus dem Betrieb der Anlagentechnik resultieren.

Auf Grundlage dieser ermittelten Heizlasten werden die Heizflächen ausgelegt. Bei Fußbodenheizungen wird zur Bestimmung der Vorlauftemperatur im Gesamtsystem der Raum mit der höchsten, spezifischen Wärmelast (Wärmelast bezogen auf die Bodenfläche) berechnet. Der Verlegeabstand der Heizschleifen und die Vorlauftemperatur werden solange angepasst, bis die Heizleistung des Systems 100 %-ig die Wärmeverluste decken. Von diesem Auslegungsraum ausgehend werden die Verlegeabstände für die übrigen Räume bestimmt. Da die Vorlauftemperatur nicht mehr verändert wird, ergeben sich in den übrigen Räumen rechnerische Überlasten. Das bedeutet, dass die zur Verfügung stehende Heizleistung des Fußbodenheizungssystems die notwendige Heizlast zur Deckung der Wärmeverluste überschreitet. Die Heizflächen sind überdimensioniert. In der Auslegung der Heizflächen des Gebäudes ist ersichtlich, dass teilweise Flächen mit über 150 % überdimensioniert sind. Die Heizflächen innerhalb einer Wohnung bzw. Nutzungseinheit oder bezogen auf das Gesamtgebäude sind ausreichend, um die Gesamtwärmeverluste zu decken.

Beim Gebäude ist die Wärmedämmung vollständig außen um das Gebäude geführt. Alle Räume im Gebäude befinden sich innerhalb der thermischen Hülle. Im Keller von Mehrfamilienhäusern gibt es einige Räume die planmäßig nicht beheizt, d. h. nicht mit einem eigenen Heizkreis ausgestattet, sind. Dabei handelt es sich um Nebenräume mit Ausnahme des Treppenhauses bzw. des Wasch- und Trockenraums. Diese Bereiche/Räume werden entsprechend der vorliegenden Planung als geringfügig beheizt betrachtet (15 °C Raumtemperatur) und sind mit eigenen Heizflächen (Heizkörpern) ausgestattet.

Es ist festzuhalten, dass alle Räume eines Gebäudes innerhalb einer thermischen Hülle liegen. Die Dielen wiederum liegen im inneren einer beheizten Wohnung. Umlaufend sind beheizte Räume angeordnet. Die wesentlichen Wärmeverluste in diesen Dielen erfolgen durch die Wand bzw. Tür zum Treppenhaus (niedrig beheizt 15 °C) bzw. durch die Decke und den Fußboden, da entsprechend der Norm DIN EN 12831 angrenzende Wohnräume bei der Berechnung ebenfalls als niedrig beheizte Räume anzunehmen sind. Daraus ergibt sich, dass die Dielen eine relative geringe rechnerische Heizlast aufweisen. Bezieht man diese Heizlast auf die zu beheizende Fläche des jeweiligen Raums, erhält man die spezifische Heizlast. Diese liegt in der Regel bei teilweise knapp über 5 W/m², in Ausnahmefällen bei bis zu 35 W/m².

Die Planung und Ausführung einer Fußbodenheizung erfolgt nach der Normreihe DIN EN 1264 „Raumflächenintegrierte Heiz- und Kühlsysteme mit Wasserdurchströmung“. In Teil 3 „Auslegung“ wird unter Punkt 4.1.2.1 „Vorlaufrohre zu benachbarten Räumen“ der Umgang mit den Anbindeleitungen zu den Heizkreisen beschrieben. Hier heißt es:

„Die Wärmeabgabe von Versorgungsleitungen, durch die keine Versorgungsleistung der Räume stattfindet, durch die sie verlaufen, muss durch sorgfältige Auslegung des Systems oder durch Wärmedämmung begrenzt werden, sodass sich die Raumtemperatur nicht wesentlich erhöht. Die Wärmeabgabe von durch den betreffenden Raum in benachbarte Räume laufenden Versorgungsleitungen wird berücksichtigt, wenn die gleiche Nutzungsart des Raums angenommen werden kann.“

Im Wohnungsbau kann man innerhalb einer Wohnung von der gleichen Nutzung des Raums ausgehen. Insofern ist über diese Definition die Verlegung der Anbindeleitungen durch einen Raum – in der Regel die Diele oder der Flur – möglich und zulässig. Allerdings darf durch die Rohrleitung keine wesentliche Erhöhung der Raumtemperatur erfolgen. Bei Dielen ist dies berücksichtigt worden, da sie lediglich geringe Heizlasten aufweisen und die eingebrachte Wärme über die Anbindeleitungen die Raumtemperatur auf dem geplanten Niveau hält, aber keine unzulässige Erhöhung auslöst.

Zusammenfassend ergibt sich, dass Dielen in Gebäuden nicht planmäßig beheizt sind. Sie verfügen über keinen eigenen Heizkreis. Die EnEV fordert lediglich den Einbau einer raumweisen Regelung für Räume, die auch mit einer Fußbodenheizung ausgestattet sind und dies prinzipiell ab einer Fläche von 6 m². Die Dielen weisen größtenteils eine Fläche von über 6 m² auf, haben gleichzeitig eine so geringe spezifische Wärmelast, dass auf eine eigene planmäßige Beheizung verzichtet werden kann. Da die Räumlichkeiten innerhalb der thermischen Hülle liegen, die angrenzenden Räume eine Überdeckung der Fußbodenheizung aufweisen und die Durchführung der Anbindeleitung in der Diele liegt, ist eine bedeutende Minderung der Raumlufttemperatur nicht wahrscheinlich.

Stand:
06/18