Kriterien f√ľr die Beurteilung von Terrassendielen

Das Wort "Terrassendiele" impliziert bereits, dass es sich um den Bestandteil eines Bodenbelags handelt, der auf einer Terrasse, einer Loggia oder einem Balkon unmittelbar der Witterung ausgesetzt ist. Es handelt sich definitiv um keinen Innenraumboden aus Holz oder Holzwerkstoff (wie z. B. Parkett oder Laminat). Die gegebene Witterung hat naturgemäß Einfluss auf die Beschaffenheit und die weiteren Eigenschaften des Holzes.

Bei Massivholzdielen handelt es sich um ein Naturprodukt mit den entsprechenden, nat√ľrlichen Eigenschaften und einer gro√üen Bandbreite von Wuchsmerkmalen. Diese Merkmale sind nat√ľrlichen Ursprungs, da jeder Baum, ob aus tropischen, gem√§√üigten oder subarktischen Gebieten, anders beschaffen ist.

Als allgemeine Lebenserfahrung darf bei allen am Bau Beteiligten (auch bei K√§ufern) als bekannt vorausgesetzt werden, dass Holz √Ąste hat, dass Splintholzanteile vorhanden sind, dass sich Holz verformen (z. B. sgn. sch√ľsseln) und nicht immer barfu√ü begangen werden kann. Nadelh√∂lzer sind oft keine Barfu√üdielen, d. h. hier ist es auf jeden Fall zwingend erforderlich, dass der Nutzer seine F√ľ√üe in geeigneter Weise sch√ľtzt.

Die oben aufgef√ľhrten Merkmale stellen somit technisch gem. BGB-Werkvertrag / VOB keinen Mangel dar.

F√ľr die Sortierung von Terrassendielen gibt es keine Norm, da es nicht m√∂glich ist, Holz nach optischen Eigenschaften zu normen. Hier gibt es lediglich statische Grundlagen. Danach wird die Gr√∂√üe der √Ąste oder Astansammlungen gem. der Norm DIN 4074 - Sortierung von Holz nach der Tragf√§higkeit - Teil 1: Nadelschnittholz und Teil 5: Laubschnittholz beurteilt, jedoch nicht die Optik. F√ľr die Gebrauchstauglichkeit von Dielen gibt es zur Einschr√§nkung (auch der Optik) folgende Beurteilungsgrundlagen:

1. Blitz- und Frostrisse; diese Dielen werden √ľblicherweise bei der Bearbeitung sofort aussortiert.
2. Risse quer zum Brett / senkrecht zur Faser; dies tritt nur bei Tropenhölzern auf, auch diese Dielen werden aussortiert.
3. Risse, die infolge von Schwund / Quellspannungen; diese resultieren aus der nicht einwandfreien Befestigung und zu geringen Abständen der Dielen untereinander.
4. Überzähnen / Versätze von mehreren Millimetern (> 4), die nicht mehr hinzunehmen sind (Stolperstellen).
5. Astlochausf√§lle; diese m√ľssen gekittet werden.

Es sind s√§mtliche Holzmerkmale, die aus dem nat√ľrlichen Wuchs entstanden sind, hinzu-nehmen und zu tolerieren. Diese sind:
▪ Astwachstum
▪ Farb- und Holzstrukturunterschiede
▪ raue Stellen und Aufstellen der Holzfaser um die √Ąste herum
▪ Farbver√§nderungen, hervorgerufen von Licht (UV) und Vergrauen der Oberfl√§che
▪ Wasser- und Stockflecken beim Vergrauen der Dielen
▪ Insektenfra√üg√§nge von Frischholzinsekten, sog. "Pinholes" (Nadelstiche)
▪ Auswaschungen von Holzinhaltsstoffen
▪ Reaktionsverf√§rbungen bei gerbstoffhaltigen H√∂lzern
▪ Bl√§ue, wenn die Dielen vergrauen
▪ Rindeneinschl√ľsse
▪ Harzaustritte / Harzgallen

Bei der Verlegung von Terrassendielen gilt die Anwendungsempfehlung GD Holz Ter-rassen- und Balkonbeläge.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die aus dem nat√ľrlichen Wuchs entstandene Optik nicht zu bem√§ngeln ist. Es wird auf BGB ¬ß 434 verwiesen. Dazu hei√üt es im Kommentar:

" ... ist auf den Durchschnittsk√§ufer abzustellen, nicht auf im Einzelfall √ľberzogene Anspr√ľche des jeweiligen K√§ufers, auch wenn sie vor dem Kaufabschluss f√ľr den Verk√§ufer erkennbar waren. Ein solcher K√§ufer, der h√∂here Anforderungen stellt, muss die gew√ľnschte oder zu hoch geschraubte Beschaffenheit mit dem Verk√§ufer vereinbaren."

Besondere Anforderungen an Holzqualit√§ten (z. B. Astfreiheit) m√ľssen vorher gesondert vereinbart werden und k√∂nnen im Nachgang nicht mehr gestellt werden.

Nach der Abnahme und der √úberpr√ľfung in Anwesenheit der am Bau beteiligten zu diesem Zeitpunkt k√∂nnen z. B. √Ąste zwar reklamiert werden, jedoch w√§re der Austausch dann eine verg√ľtungspflichtige Leistung.

Stand:
06/15