Schutz aufgehender St├╝tzen- und Wandsockel in Tiefgaragen vor Tausalzen

Grundlagen dieses Beitrags sind:
▪ DIN 1045-1: Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton ÔÇô Teil 1: Bemessung und Konstruktion, Ausgabe August 2008
▪ DBV-Merkblatt Parkh├Ąuser und Tiefgaragen, 2. Ausgabe September 2010, Herausgeber: Deutscher Beton- und Bautechnik Verein e.V.
▪ Bauteilkatalog ÔÇô Planungshilfe f├╝r dauerhafte Betonbauteile, 7. Auflage 2012, Herausgeber: Beton Marketing Deutschland GmbH
▪ DAfStB-Richtlinie: Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen (ÔÇ×InstandsetzungsrichtlinieÔÇť) Teile 1 ÔÇô 3, Deutscher Ausschuss f├╝r Stahlbeton, Ausgabe Oktober 2001
Neben dem Stand der Technik finden auch die deutschen Normenreihen Anwendung. Die Norm DIN 1045-1:2008-08 ordnet den Bauteilen in Abh├Ąngigkeit von ihren Umweltbedingungen verschiedene Expositionsklassen zu. Die Expositionsklassen ben├Âtigen wiederum eine bestimmte erforderliche Beton├╝berdeckung.

Aufgehende W├Ąnde und St├╝tzen in Tiefgaragen unterliegen einer Beanspruchung aus tausalzhaltigem Spritzwasser. Tausalze, die Chlorid enthalten, f├╝hren beim Eindringen des Chlorids in den Beton zu einer Aufhebung der Alkalit├Ąt und zu Lochfra├čkorrosion der Bewehrung. Bewehrungskorrosion infolge von Chlorideinwirkungen schreitet schneller voran und k├╝ndigt sich nicht durch Abplatzungen an, da sie im Gegensatz zur normalen Korrosion infolge Oxidation nicht mit einer Volumenzunahme des Stahls einhergeht. Chloridbedingte Bewehrungskorrosion kann zu erheblichen Sch├Ąden bis hin zum Verlust der Tragf├Ąhigkeit der Bauteile f├╝hren.

Aus diesem Grund werden in den Regelwerken hohe Anforderungen an die Bauteile gestellt, die einer Tausalzbeanspruchung unterliegen. W├Ąnde und St├╝tzen unterliegen einer solchen Belastung nur im Sockelbereich, die je nach Gef├Ąllesituation der Bodenplatte 150 bis 500 mm zu unterstellen ist (siehe DBV-Merkblatt Parkh├Ąuser und Tiefgaragen, Abschnitt 2.3.3.3).

Im Spitzwasserbereich gibt es grunds├Ątzlich zwei Handlungsalternativen:
▪ Variante A: Schutz des Bauteils mit Abdichtung oder Beschichtung
▪ Variante B: Auslegung des Betons f├╝r die Tausalzbeanspruchung nach DIN 1045-1:2008-08

Variante A

Das Bauteil wird durch eine Aufkantung der Abdichtung mit entsprechendem Abschluss und / oder einem Oberfl├Ąchenschutzsystem auf der erforderlichen H├Âhe vor Tausalzeinwirkung gesch├╝tzt. Die Fuge zwischen horizontalem und vertikalem Bauteil ist in jedem Fall zu sch├╝tzen (auch bei Variante B). Hierzu ist die Anordnung einer dichten Dreiecks- oder Hohlkehle erforderlich.

Im Falle eines Oberfl├Ąchenschutzsystems kann das in der Fl├Ąche auf der Bodenplatte verwendete System OS 8, OS 11 oder OS 13 auch im Sockelbereich verwendet werden. Zur Applizierung auf den vertikalen Fl├Ąchen ist ggf. eine Modifizierung des Materials mit Stellmittel erforderlich.

Alternativ ist ab der Oberkante der Hohlkehle der Wechsel auf ein Oberfl├Ąchenschutzsystem OS 4 m├Âglich. Einzelheiten zum OS 4 regelt die Instandsetzungsrichtlinie des deutschen Ausschusses f├╝r Stahlbeton.

Nach DBV-Merkblatt und Bauteilkatalog ist diese Ausf├╝hrungsvariante als Regelausf├╝hrung zu bewerten. Dies ist darin begr├╝ndet, dass Bodenplatten nach der Norm DIN 1045-1 in nahezu jedem Falle (d. h. mit Ausnahme von Sonderkonstruktionen) eine oberseitige Abdichtung oder ein Oberfl├Ąchenschutzsystem ben├Âtigen, das ohnehin an die aufgehenden Bauteile anzuschlie├čen ist.

Die Expositionsklasse der St├╝tzen ist nach der Norm DIN 1045-1 f├╝r den Bereich oberhalb des Spritzwassersockels auszulegen, somit zu XC3 f├╝r Tiefgaragen und Parkh├Ąuser innen bzw. XC4 XF1 bei freier Bewitterung mit Frost. Die Mindestbetondeckung betr├Ągt f├╝r XC3 20 mm (bei Bewehrungsstabdurchmesser von max. 20 mm), zuz├╝glich des Vorhaltema├čes ist mit 35 mm Betondeckung zu planen. Der Beton muss mindestens der Festigkeitsklasse C 20/25 entsprechen. F├╝r die Expositionsklasse XC4 XF1 betr├Ągt die Mindestbetondeckung 25 mm (bei Bewehrungsstabdurchmesser von max. 25 mm), zuz├╝glich des Vorhaltema├čes ist mit 40 mm Betondeckung zu planen. Der Beton muss mindestens der Festigkeitsklasse C 25/30 gen├╝gen. Im Geltungsbereich der Alkalirichtlinie sind die Feuchteklassen W0 f├╝r XC3 bzw. WF f├╝r die XC4 XF1-Bauteile zu ber├╝cksichtigen.

Variante B

Nach der Norm DIN 1045-1:2008-08 d├╝rfen Bauteile im Spritzwasserbereich von Fahrbahnen bzw. in Tiefgaragen auch ohne Sockelschutz ausgef├╝hrt werden, wenn ein entsprechend resistenter Beton ausgew├Ąhlt wird. Es gelten folgende Anforderungen:

▪ Expositionsklassen: XC4 XD3 XF2
▪ Feuchtigkeitsklasse nach Alkali-Richtlinie: WA
▪ Mindestbetonfestigkeitsklasse: C35/45, alternativ C30/37 (LP) mit Luftporenbildner
▪ Mindestbetondeckung 40 mm, zuz├╝glich Vorhaltema├č nominelle (d. h. zu planende) Betondeckung 55 mm
▪ ├ťberwachungsklasse 2 mit Eigen- und Fremd├╝berwachung

In Abh├Ąngigkeit von der zu erwartenden Feuchtebeanspruchung kann im Einzelfall bei nur ÔÇ×m├Ą├čigerÔÇť Feuchte abweichend eine Einstufung in XD1 (statt XD3) erfolgen, dann ist alternativ eine Betong├╝te C25/30 (LP) m├Âglich. Die ├╝brigen Parameter bleiben unver├Ąndert.

Die Fugen zwischen den W├Ąnden bzw. St├╝tzen zu den Fundamenten sind auch in dieser Variante mit einer geeigneten Beschichtung oder Abdichtung zu sch├╝tzen.

Auch wenn das DBV-Merkblatt diese Variante der DIN 1045-1 nicht beschreibt, widerspricht es ihr nicht, denn die Formulierung zur Variante A lautet: ÔÇ×Aufgehende Bauteile (St├╝tzen und W├Ąnde) brauchen nicht in XD-Expositionsklassen eingeordnet zu werden, wenn chloridhaltiges Spritzwasser die Bauteile nicht erreichen kann.ÔÇť

Ohne Beschichtung sind die St├╝tzensockel hinsichtlich ihrer Expositionsklassen letztlich wie ein Schrammbord zu betrachten.

In der Norm DIN 1045-1 findet sich ÔÇô anders als f├╝r Bodenplatten ÔÇô keine generelle Vorschrift f├╝r Zusatzma├čnahmen oder eine Beschichtung.

Zusammenfassend sind beide Ausf├╝hrungsvarianten auf Basis der Regelwerke m├Âglich. Aufgrund der zahlreichen und erheblichen Sch├Ąden an ├Ąlteren Tiefgaragen ist auf eine sorgf├Ąltige Konzeption und Ausf├╝hrung unbedingt zu achten. Im Falle von W├Ąnden und St├╝tzen ohne Schutzschicht ist (├╝ber die Anforderungen der DIN 1045-1:2008-08 hinaus) besonders auf die Vermeidung und erforderlichenfalls zeitnahe Verpressung der Risse nach ihrer Entstehung zu achten, damit keine Chloridanreicherung erfolgt.

Stand:
08/12