Anwendung der DIN 5034-1:1999-10 - Tageslicht in Innenräumen

Die Maßgaben für die Belichtung von Wohnräumen mit Tageslicht sind einerseits in der BauO NRW § 48 wie auch in der DIN 5034-1:1999-10 „Tageslicht in Innenräumen“ beschrieben. Nach der der BauO NRW vom 1. März 2000, § 48 Aufenthaltsräume, Abs. (2) und (3) gilt als bestimmende Anforderung für die Belichtung von Aufenthaltsräumen in Wohnungen Folgendes:

“(2) Aufenthaltsräume müssen unmittelbar ins Freie führende Fenster von solcher Zahl und Beschaffenheit haben, dass die Räume ausreichend Tageslicht erhalten und belüftet werden können (notwendige Fenster). Das Rohbaumaß der Fensteröffnungen muss mindestens ein Achtel der Grundfläche des Raumes betragen; ein geringeres Maß ist zu-lässig, wenn wegen der Lichtverhältnisse Bedenken nicht bestehen. Oberlichte anstelle von Fenstern sind zulässig, wenn wegen der Nutzung des Aufenthaltsraumes Bedenken nicht bestehen.
(3) Verglaste Vorbauten und Loggien sind vor notwendigen Fenstern zulässig, wenn eine ausreichende Lüftung und Beleuchtung mit Tageslicht sichergestellt ist.”
Die Einhaltung der BauO NRW ist als Verordnung mit Gesetzeskraft verbindlich und zwingend einzuhalten.
In der DIN 5034-1:1999-10 „Tageslicht in Innenräumen“ sind in Bezug auf die Helligkeit in Wohnräumen mit Tageslicht zum Anwendungsbereich u. a. folgende Hinweise zu finden:
“Die Norm gilt für alle Aufenthaltsräume einschließlich der Arbeitsräume im Sinne der Bauordnungen der Länder bzw. der Arbeitsstättenverordnung, jedoch nicht für Sporthallen. Die Norm gilt auch für alle Arbeitsplätze in anderen als Aufenthaltsräumen (z. B. Arbeitsplätze in Lagerhallen), sofern das Tageslicht nicht Art und Aufgabe der Arbeit wider-spricht.
Aufenthaltsräume sollen die notwendige Sichtverbindung nach außen haben und ausreichend Tageslicht erhalten. Die in den Bauordnungen der Länder geforderte, auf die Grundfläche des Raumes bezogene Mindestfensterfläche ist hinsichtlich der Beleuchtung mit Tageslicht eine notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzung.
Wenn aufgrund besonderer Nutzungsanforderungen eine Verbesserung des Tageslichts in Innenräumen gefordert wird, gibt die Norm zu vereinbarende Planungsempfehlungen.
Die Norm legt fest, wie in Innenräumen eine akzeptable Sichtverbindung nach außen und eine ausreichende Helligkeit mit Tageslicht zu erreichen sind. Die Norm gibt weiter an, welche Voraussetzungen zu erfüllen sind, damit in Innenräumen angemessene Beleuchtungsverhältnisse durch Tageslicht vorhanden sind.”

Die nach DIN 5034-1 definierte ausreichende Helligkeit in Aufenthaltsräumen durch Tageslicht ist maßgeblich mit dem Tageslichtquotient D = EP / EA x 100 in % definiert. Der Tageslichtquotient ist das Verhältnis der Beleuchtungsstärke EP in einem Punkt einer gegebenen Ebene, die durch direktes und/oder indirektes Himmelslicht bei angenommener oder bekannter Leuchtdichteverteilung des Himmels erzeugt wird, zur gleichzeitig vorhandenen Horizontalbeleuchtungsstärke EA im Freien bei unverbauter Himmelshalbkugel.
Die Helligkeit in Wohnräumen, die von dem durch die Fenster eindringenden Tageslicht erzeugt wird, ist im Sinne der DIN 5034-1 im Rahmen ihrer psychischen Bedeutung aus-reichend, wenn der Tageslichtquotient auf einer horizontalen Bezugsebene, gemessen in einer Höhe von 0,85 m über dem Fußboden in halber Raumtiefe und in 1 m Abstand von den beiden Seitenwänden im Mittel wenigstens 0,9 % und am ungünstigsten dieser Punkte wenigstens 0,75 % beträgt.

Da es vor Erstellung der Gebäude, mithin in der Planungsphase relativ kompliziert ist, den Mindestwert des Tageslichtquotienten zu bestimmen, gibt die DIN 5034-1 Einbausituationen von Fenstern vor, nach denen eine ausreichende Helligkeit der Wohnräume (Aufenthaltsräume) mit Tageslicht sicher erreicht wird. Maßgebend für die Beurteilung einer ausreichenden Helligkeit der Wohnräume mit Tageslicht, ist jedoch nicht die Einbausituation der Fenster, sondern der Tageslichtquotient, der nach Ausführung der betroffenen Wohn-räume tatsächlich erreicht wird.

Die Formulierung in der DIN 5034-1, dass die in den Bauordnungen der Länder geforderte, auf die Grundfläche des Raumes bezogene Mindestfensterfläche hinsichtlich der Beleuchtung mit Tageslicht eine notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzung ist, lässt im Sinne des Begriffs “hinreichend” nicht die Schlussfolgerung zu, dass die Helligkeit der Wohnräume mit Tageslicht bei Einhaltung der Vorgaben der BauO NRW zwangsläufig nicht ausreichend ist, zumal in den Bauordnungen unterschiedliche Anforderungen gestellt sind und die Anforderung in der BauO NRW § 48 diesbezüglich im oberen Bereich liegt. Die Formulierung “nicht hinreichende Voraussetzung” bedeutet, dass eine Auslegung nach den Maßgaben der BauO NRW im Sinne der DIN 5034-1 nicht ausführlich und detailliert genug erscheint.

Zur Einhaltung der Anforderungen der DIN 5034-1 ist lediglich von Belang, ob der Tageslichtquotient von 0,9 % bzw. 0,75 % eingehalten sind. Die übrigen, in der DIN 5034-1 formulierten Randbedingungen (Anhang A) zur Auslegung der Helligkeit mit Tageslicht sind lediglich auf der sicheren Seite liegend Mittel zur vereinfachten Umsetzung der Anforderungen in der DIN 5034-1 ohne Berechnungen, was nicht die Schlussfolgerung zulässt, dass der erforderliche Tageslichtquotient nicht gegeben ist, wenn die vereinfachten Randbedingungen nicht eingehalten sind. Der in der DIN 5034-1 formulierte und definierte Tageslichtquotient von 0,9 % bzw. 0,75 % ist im Übrigen kein Wert, der über das ganze Jahr betrachtet einen tatsächlich sehr hellen Raum gewährleistet.

Die DIN 5034-1 ist als Ergänzung zu den Festlegungen der BauO NRW zu sehen, wenn aufgrund besonderer Nutzungsanforderungen eine Verbesserung des Tageslichts in Innenräumen gefordert, d. h. vereinbart wird. In diesem Fall gibt die Norm eine Empfehlung, die gesondert vereinbart werden muss, zur sach- und fachgerechten Planung der Helligkeit in Räumen mit Tageslicht lediglich im Rahmen besonderer Anforderungen und über eine mittlere Art und Güte hinausgehend. Die DIN 5034-1 hat Empfehlungscharakter, die Anforderungen über die Vorgaben der BauO NRW § 48 hinaus unverbindlich beschreibt und weitergehend als Planungshilfe zur Ausstattung der Wohnräume mit Tageslicht zu verstehen ist.

Ferner gilt nach den Vorgaben der DIN 5034-1dass nur ein Wohnraum einer Wohnung besonnt sein muss. Hierzu heißt es in der DIN 5034-1: “Eine Wohnung gilt als ausreichend besonnt, wenn in ihr mindestens ein Wohnraum ausreichend besonnt wird. Ein Raum gilt als besonnt, wenn Sonnenstrahlen bei einer Sonnenhöhe von mindestens 6 Grad in den Raum einfallen können. …. Ein Wohnraum gilt als ausreichend besonnt, wenn seine Besonnungsdauer am 17. Januar mindestens 1 h beträgt.”

Stand:
11/11