ZusÀtzliche Ausgleichsschichten unter Estrichen

Im Neubau wie bei der Instandsetzung von GebĂ€uden wird fĂŒr eine effiziente LeitungsfĂŒhrung vermehrt die Rohdecke als offene oder geschlossene Installationsebene genutzt. Auch im Wohnungsbau ist es heute deshalb unumgĂ€nglich, dass Rohrleitungen verschiedenster Art horizontal im Oberboden oberhalb der Tragkonstruktion verzogen bzw. verlegt werden. Das Erfordernis ergibt sich aus dem Anspruch, Wohnungsgrundrisse möglichst unabhĂ€ngig von zweckmĂ€ĂŸigen LeitungsfĂŒhrungen individuell nach gestalterischen und funktionalen Maßgaben wĂ€hlen zu können (DBZ 10/2004 LeitungsfĂŒhrung auf der Rohdecke).

GrundsÀtzlich sind im Bereich des ausgleichenden Bodenaufbaus zwei Kategorien zu unterscheiden:
1. Konstruktionen mit offener Installationsebene (hohe FlexibilitÀt)
2. Konstruktionen mit geschlossener Installationsebene (geringere FlexibilitÀt, besonders wirtschaftlich)

Damit die Rohrleitungen, die neben den Rohren der Fußbodenheizung noch zusĂ€tzlich im Oberboden befindlich sind, in einer geschlossenen Installationsebene den eigentlichen Estrichaufbau des Oberbodens nicht stören, werden zusĂ€tzliche Ausgleichsschichten vorgesehen. Eine Bauart einer Ausgleichsschicht ist die Bettung der Rohre in einer Zwischenschicht aus einem leichten Ausgleichsmörtel. Eine Unterart eines solchen Porenleichtbetonmörtels ist der sogenannte Schaumbeton. Die Vorteile des v. g. Materials in der Verwendung als Ausgleichsschicht (Zwischenschicht) in einem Oberboden ist das geringe Gewicht und die relativ gute wĂ€rmedĂ€mmende Eigenschaft sowie die zweckmĂ€ĂŸige Verarbeitung des im Einbauzustand flĂŒssigen Materials, sodass sich im Ergebnis die Masse der Ausgleichsschicht hohlraumfrei an die Rohre anfĂŒgt und eine optimale Bettung der im Oberboden befindlichen Rohre erzielt wird.

Ein namhafter Hersteller eines Ausgleichsmörtels fĂŒr Oberböden sowie der Bettung von Rohren (Produkt F416 Schubu) ist die Fa. Knauf aus Iphofen. Dieser Schaumunterbodenmörtel ist bauaufsichtlich zugelassen (bauaufsichtliches PrĂŒfzeugnis Z-23.11-1533) und wird seit mehr als zehn Jahren von der Fa. Knauf vertrieben.

Auch die einschlĂ€gigen Transportbetonunternehmen bieten Ausgleichsmörtel bzw. Feinbeton fĂŒr Oberböden an. Exemplarisch benannt seien die Heidelberger Betonwerke mit ihren Produkten Poriment, Poriment P und Poriment LS, welche ausdrĂŒcklich fĂŒr die Einbettung von Rohren als geeignet benannt werden.

Die neuste Entwicklung der Herstellung von Leichtbeton als Schaumbeton zeigt der aktuelle Prozess von bauaufsichtlichen Zulassungen von Betonzusatzstoffen. Die Fa. BASF bietet nunmehr aktuell am Markt einen Schaumbildner SB 285 - bauaufsichtliche Zulassung Nr. Z-3.211-1644 - an. Mit diesem Betonzusatzstoff lĂ€sst sich Stahlleichtbeton nach DIN 206-1 und DIN 1045-2 herstellen, sodass der mit Schaum modifizierte Beton nunmehr auch fĂŒr tragende Bauteile eingesetzt werden darf. Es muss also hinsichtlich des Materialeinsatzes von Schaumbeton festgestellt werden, dass die Schlussfolgerung, dass Schaumbeton ein Baumaterial ist, welches die allgemein anerkannten Regeln der Bautechnik erfĂŒllt, klar gegeben ist, da ein bauaufsichtlich zugelassenes Material regelmĂ€ĂŸig die Kriterien der allgemein anerkannten Regeln der Bautechnik erfĂŒllt, wobei es dann nicht von Belang ist, wie viele am Bau Beteiligte dies bereits wissen und wie oft die bauordnungsrechtlich, zugelassene Bauweise bereits ausgefĂŒhrt wurde. Dies erscheint auch bei nĂ€herer Betrachtung zwingend logisch, da ansonsten kein Fortschritt im Bauwesen möglich erscheint.

Im Wohnungsbau mit entsprechend anspruchsvollen Grundrisskonzepten ist die horizontale Verlegung von Rohrleitungen in massiven Oberböden (geschlossenes Installationssystem) ĂŒblich, wogegen die AusfĂŒhrung von Hohlraumböden als Oberböden lediglich im BĂŒrobau (Gewerbebau) als Alternative Anwendung findet. Hohlraumböden werden immer dort ausgefĂŒhrt, wo Nachinstallationen im Zuge von NutzungsĂ€nderungen zu erwarten sind. Dies ist im Wohnungsbau kein realistischer Anspruch. Der Anspruch der Schadensdetektierbarkeit ist bei beiden Bauarten gleich gegeben. Auch in einem Hohlraumboden verteilt sich die NĂ€sse meist in erheblichem Umfang, bevor sie anhand von FeuchtigkeitsschĂ€den an den Innenbauteilen sichtbar mithin bemerkt wird.

Es muss auch klargestellt werden, dass bei einer ordentlichen Verlegung von horizontalen EntwĂ€sserungsrohren keine Verstopfungen in der Leitung selbst zu befĂŒrchten sind, da die Verstopfung in der Regel im Bereich des Geruchsverschlusses auftritt, der zweckmĂ€ĂŸigerweise revidierbar sein sollte. Undichtigkeiten von EntwĂ€sserungsleitungen sind bei einer ordentlichen Verlegung nicht zu erwarten, da die Rohrverbindungen von EntwĂ€sserungsleitungen schadenssicher hergestellt werden können.

Durch den BEB (Bundesverband Estrich und Belag) sind MerkblĂ€tter (Hinweise fĂŒr Estrichleger und Planer) „Ausgleichsschichten aus Leichtmörtel“ und „Rohre Kabel und KabelkanĂ€le auf Rohdecken“ erhĂ€ltlich. Diese Tatsache deutet auf eine gĂ€ngige Verbreitung der AusfĂŒhrung von Rohrleitungen in festen Zwischenschichten von Oberböden.

Zur weiteren Konkretisierung der Sache, ob die Verlegung von Rohrleitungen allgemein und in der Einbettung von Schaumbeton ĂŒblich ist, wird auf einen Forschungsbericht eines Forschungsvorhaben, dass im Institut fĂŒr BaustoffprĂŒfung und Fußbodenforschung Troisdorf ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum durchgefĂŒhrt wurde, hingewiesen. Der Fachartikel wurde in der Fachzeitschrift – boden wand decke – Heft 4/1994 veröffentlicht.

Die Bezeichnung des Artikels ist sinnigerweise: „Rohre auf der Rohdecke – Auswirkungen und Möglichkeiten - Untersuchungen und Empfehlungen fĂŒr die Problemgebiete Untergrund mit Rohren und Randfugen (Ergebnisse des Forschungsvorhabens).“

Das vorgenannte Forschungsvorhaben beschĂ€ftigte sich mit auf Rohdecken also im Oberboden verlegten Rohrleitungen im Zusammenhang mit Problemen des Trittschallschutzes anhand zahlreicher ausgefĂŒhrter Projekte. Durch den Artikel wird ebenfalls zunĂ€chst einmal deutlich, dass die Verlegung von Rohrleitungen in Oberböden schon mehr als 20 Jahre gĂ€ngige Baupraxis ist. Des Weiteren kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass sich bei der Bettung von Rohren in leichtem Ausgleichsmörtel wie hier betrachtet sogar die Einhaltung der erhöhten Trittschallschutzanforderungen nach DIN 4109 Beiblatt 2 erreichen lassen.

Die Einbettung von horizontalen Rohrleitungen in Ausgleichsschichten eines Oberbodens aus Schaumbetonmörtel ist als Bauart der geschlossenen Installationsebene eine gĂ€ngige und ĂŒbliche AusfĂŒhrung. Es sind am Markt entsprechende bauaufsichtlich zugelassene Materialien seit mehr als zehn Jahren erhĂ€ltlich und finden in der Baupraxis regelmĂ€ĂŸig Anwendung. Die eingebettete, feste Verlegung von Rohrleitung in Zwischenschichten des Oberbodens ist ganz allgemein betrachtet belegbar gĂ€ngige Baupraxis und wurde bereits an unzĂ€hligen Bauvorhaben ausgefĂŒhrt.

Sowohl die planmĂ€ĂŸige Verwendung von bauaufsichtlich zugelassenen Materialien zur Herstellung von Ausgleichsschichten bzw. Einbettung von Rohrleitungen als auch die Bauart einer festen Einbettung von Rohrleitungen in Oberböden entspricht eindeutig den allgemein anerkannten Regeln der Bautechnik. Dies ergibt sich aus dem fĂŒr den bestimmten Zweck seit mehr als zehn Jahren auf dem Markt angebotenen Materialien und den fundierten Nachweis der Eignung dieser Materialien durch die einen amtlichen Charakter aufweisenden, bauaufsichtlichen PrĂŒfzeugnisse.
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Stand:
09/10